Posted on Aug 20, 2020 in Aktuell, Pressemitteilungen

„Saubere Luft“: Alte Probleme mit Neuansiedlung in Carling
Bezugnehmend auf die Stellungnahme des Umweltministeriums zur Neuansiedlung der Firma Afyren auf der Chemieplattform Carling sieht der Verein „Saubere Luft“ das in der Saarbrücker Zeitung als „geeignetes Mitteilungssystem“ zitierte System für Geruchswahrnehmungen, welche durch die Chemieplattform Carling verursacht werden, praktisch nur als „geeignet“ an, wenn man über ausreichende Französischkenntnisse und genug Zeit und Geduld verfügt. Außerdem folgt auch die Neuansiedlung der Firma Afyren bekannten Mustern, sowohl was den Zeitpunkt des Genehmigungsverfahren selbst, als auch was die Reaktion des Umweltministeriums auf das Bauvorhaben angeht.
Adriano Pitillo, erster Vorsitzender: „Das von Umweltminister Jost als geeignet angesehen Mitteilungssystem sieht in der Praxis so aus, dass man zuerst relativ umständlich auf der Homepage von Atmo Grandest suchen muss (der direkte Link zum Formular findet sich hier: http://www.atmo-grandest.eu/contact/plaintes_et_odeurs ) und auf einer Seite seine Geruchsbelästigungen eintragen kann. Hauptproblem hierbei: Ohne ausreichende Französischkenntnisse geht gar nichts und erst vor kurzem wurde das System dahingehend umgestellt, dass auch saarländische Orte eingegeben werden können, in denen es zu Geruchsauffälligkeiten gekommen ist.“
Noch kritischer sieht der Verein „Saubere Luft“ die Stellungnahme des Umweltministeriums zum geplanten Neubau der Firma Afyren. Diese ist zwar auf den ersten Blick stolze 10 Seiten lang, allerdings sind 9 dieser Seiten gefüllt mit von der Firma Afyren vorgegebenen Angaben zum Projekt und lediglich eine Seite, welche man als Stellungnahme des Ministeriums werten kann. Hierbei wird vor allem auf das eventuelle Auftreten von Gerüchen hingewiesen, in diesem Fall sollen geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um diese dann zu vermeiden.
Pitillo: „Zunächst einmal ist anzumerken, dass die Firma Afyren im Gespräch und auch in ihren Unterlagen Geruchsbelastungen generell zunächst ausgeschlossen hat. Warum sollten nun also eventuell Maßnahmen nötig werden, um zu vermeiden, was im Vorherein ausgeschlossen wird?
An dieser Stellte erneuern wir unsere Frage, warum es kein generelles Geruchsmeldesystem auch auf deutscher Seite gibt, welches wir bereits seit Jahren fordern und welches bis heute nicht realisiert wurde. Finanzieren könnten dies die französischen Firmen und damit die Verursacher selbst, da aufgrund der Vielzahl an geruchsaktiven Schadstoffen inzwischen nicht mehr unterschieden werden kann, welche Firma wofür verantwortlich ist.
Desweiteren fordern wir den saarländischen Umweltminister erneut dazu auf, nicht nur auf der Thematik der
Gerüche herumzureiten, sondern vielmehr endlich eine Neubewertung durch einen unabhängigen Umweltmediziner in die Wege zu leiten, der die gesundheitliche Gefahren- und Belastungssituation unter dem Aspekt der dauerhaft immer wiederkehrenden Schadstoffbelastung bewertet vor dem Hintergrund der massiven Umstrukturierungen auf der Chemieplattform im letzten Jahrzehnt.
Gerade in den letzten Wochen hat es bei unserem Verein vermehrt Beschwerden über Geruchs- und damit einhergehend Schadstoffbelastungen von der Chemieplattform Carling ausgehend gegeben, dies hat sich in den letzten Jahren generell nicht entscheidend verändert, so sehr wir als Verein auch auf Verbesserungen drängen.“

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