Posted on Okt 13, 2017 in Aktuell, Pressemitteilungen

 

Wieder einmal Neuigkeiten von der Chemieplattform Carling, Stichwort Chemesis 2020. Während das saarländische Umweltministerium noch prüft, ob überhaupt Kenntnisse zu dem bereits begonnen Projekt vorliegen, kann der grenzüberschreitend interessierte Leser in der französischen Presse in schöner Regelmäßigkeit sich bereits über neue anstehende Ansiedlungen neuer Fabriken und Erweiterungen von Produktionslinien informieren. Gleichzeitig wird darüber berichtet, dass in Carling  an 10 Tonnen  „Verpackungsabfall“ ein weltweit neues Verfahren zum Recyclen von Polystyrol aus Lebensmittelverpackungen getestet wird.

Vor fast etwas mehr als 30 Jahren sprach der heutige MdEP, Jo Leinen, kurz nach seinem Abgang als BUND-Vorsitzender Saar und seiner Ernennung zum saarländischen Umweltminister im SPIEGEL von einer Giftgrenze zu Carling und über den dreckigsten Fluss Europas, die Rossel. Im Lauf der Zeit geriet dieses wertvolle Wissen offenbar in Vergessenheit. Dennoch hält die Rossel diesen traurigen Spitzenplatz noch immer und auch die Giftgrenze zu Carling ist anscheinend leider nicht nur weiterhin in den Köpfen vorhanden, sondern scheint gerade mit dem lothringischen Pakt zur Umstrukturierung und Erweiterung des Industriestandortes Carling einen nächsten Höhepunkt zu erreichen mit neuen chemischen Schadstoffen . Wie sollen wir Bürger und Bürgerinnen somit noch das Verhalten über die fehlende Kommunikation und den Unkenntnisstand auf saarländischer Seite über die größte anstehende petrochemische Industrieansiedlung durch das Projekt Chemesis 2020 im grenznahen Lothringen noch verstehen?

Adriano Pitillo, erster Vorsitzender des Vereins „Saubere Luft für die Warndtgemeinden“: „Seitdem die neue Polypropylenproduktion 2016 gestartet ist, werden bereits jetzt 25 % mehr produziert als eigentlich geplant war. Im Januar 2018 sollen nochmals 10 % hinzukommen. Wie kann es sein, dass neue Anlagen bereits nicht einmal 1 Jahr später derart erweitert werden können ohne zusätzliche Genehmigungsverfahren oder Umweltverträglichkeitsprüfungen? Reichen die bisher vorhandenen Hintertürchen nicht bereits aus? Und ist in der Folge mit der Produktionserhöhung auch mit 35 % mehr Umwelt- und Luftbelastung zu rechnen?

An Messstationen wird zudem nicht einmal mehr einer der hauptsächlich anfallenden süßlich riechende Schadstoffe Styrol erfasst, welcher in der Literatur als gesundheitsschädliches Nervengift und Atemwege reizendes Gas beschrieben wird. Styrol-Luftmessungen wurden vor ca. 2 Jahren  auf französischer für die Bürger unsichtbar gemacht und trotz unserer mehrmaligen Bitten auch keine zeitnahen Messungen auf deutscher Seite eingeführt.  Andererseits, warum sollte gerade einer der hauptsächlich anfallenden Schadstoffe umfangreich gemessen und überprüft werden?

Link zur Meldung in der französischen Presse:

http://www.radiomelodie.com/actu/8543-zoom-sur-le-site-total-de-carling-saint-avold-qui-est-en-plein-succes-.html
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