Posted on Aug 9, 2017 in Aktuell, Pressemitteilungen

Die durch Recherchen des Vereins „Saubere Luft für die Warndtgemeinden e.V.“ an die Öffentlichkeit gebrachten Informationen zu Analysen des Umweltbundesamtes (UBA) haben im Warndt und in der Saar extrem hohe Belastungen durch sogenannte „bromierte Flammschutzmitteln“ aufgezeigt. Rückstände dieser Flammschutzmittel wurden sowohl in Fischen in der Saar, als auch in Rehen und frischen Fichtenspitzen im Warndtwald nachgewiesen, in Konzentrationen, die das Saarland und konkret den Warndt und die Saar zu einsamen und traurigen Spitzenreitern im deutschlandweiten Vergleich machen. Diese Flammschutzmittel werden in der kunststoffherstellenden Industrie eingesetzt, wie man sie auf der Chemieplattform Carling vorfindet.

Aussagen des Ministers, dass das MUV einerseits immer vorab von neuen Erkenntnissen des Vereins erfahren solle, andererseits eigene Erkenntnisse über Belastungen im Warndt nie vorab und freiwillig mit dem Verein teilt, fallen unter die Kategorie „Einbahnstraßeninformationspolitik“, die den Bemühungen und der Arbeit des Vereins in keiner Weise gerecht werden.

Adriano Pitillo, erster Vorsitzender des Vereins: „Es ist nicht nachzuvollziehen, wie der saarländische Umweltminister bereits seit Jahren reflexartig und immer aus dem Stand Ursachen für Belastungen im Warndt überall vermutet, außer von der Chemieplattform Carling kommend. Bei den untersuchten Rehen handelt es sich um einjährige Tiere, die untersuchten Fichtenspitzen sind wie der Name bereits sagt der jüngste Teil der Bäume. Hier von „historischen Belastungen“ sprechen zu wollen, deren Quellen natürlich völlig schleierhaft sind, jedoch ganz sicher nicht aus Carling, ist aus Sicht des Vereins der blanke Hohn. Wenn diese Belastungen historisch sind, warum sind sie dann gerade in den letzten Jahren angestiegen?

Laut Aussagen des Ministers liegen dem Saarland eigene Untersuchungen und somit Resultate vor, wie genau sehen diese aus und warum wurden sie bisher nicht veröffentlicht? Offenbar werden inzwischen sogar die Ergebnisse des Umweltbundesamtes angezweifelt. Es fehlt nur noch, dass sich Herr Minister Jost hinstellt und behauptet, die hohe Belastung mit Flammschutzmitteln im Warndt habe den entscheidenden Vorteil, dass dadurch die Waldbrandgefahr im Sommer deutlich reduziert werde.“

 

 

Hintergrund zu bromierten Flammschutzmitteln:

Die in der Untersuchung gefundenen Schadstoffkonzentrationen sind nicht nur auffällig hoch, es wurden sogar aus dieser Gruppe der PBDE Schadstoffe gefunden, die aufgrund einer europäischen Richtlinie seit 2004 bzw. 2008 verboten sind wegen der Gefährdung der Umwelt und zum vorbeugenden Schutz für den Mensch, denn viele dieser bromierten Flammschutzmittel werden laut Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz als besonders besorgniserregend eingestuft. Sie sind persistent, bioakkumulierend (reichern sich in Lebewesen an) und sind toxisch.

Die Gruppe der PBDE – Flammschutzmittel wird industriell Kunststoffen aller Art, aber auch Dämm- und Montageschäumen zur Verlangsamung der Flammenausbreitung zu gesetzt, einer der Hauptproduktionszweige der petrochemischen Anlagen in Carling-St.Avold. Das Umweltbundesamt gibt in seinen Statements an, dass gerade in der Nähe von Emissionsquellen diese Flammschutzmittel in der Umwelt gefunden werden.

In den letzten Jahren sind die Konzentrationen an Flammschutzmitteln angestiegen, sogar verbotene Substanzen dieser Gruppe wurden im Warndtwald nachgewiesen. Dies alles vor dem Hintergrund des Produktionsausbaus der modernen Kunststoffe auf der Chemieplattform Carling-St.Avold seit 2011 (Carling Ambition 2013, Ambition 2016 und jetzt Chemesis 2020)

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