Posted on Aug 27, 2018 in Aktuell, Pressemitteilungen

In der Stellungnahme des Saarländischen Umweltministeriums werden nach Ansicht des Vereins „Saubere Luft für die Warndtgemeinden e.V.“ gleich mehrere Punkte angesprochen, die den Bau und Betrieb der Buttersäurefabrik auf der Chemieplattform Carling als hochproblematisch erscheinen lassen. Die vom saarländischen Umweltministerium veröffentlichte Stellungnahme veranlasst den Verein, erneut kritisch und mit größten Bedenken um die Lebensqualität im Warndt hinsichtlich Geruchsbelästigungen durch die geplante Propandiol- und Buttersäurefabrik in Carling zu argumentieren.

Adriano Pitillo, erster Vorsitzender: „Wir kritisieren an dieser Stelle einmal mehr, dass das geplante Werk zur Herstellung von Buttersäure in Carling angesiedelt werden soll. Es ist aus Sicht des Vereins „Saubere Luft“ absolut nicht nachvollziehbar, warum Carling als Testgebiet für ein in dieser Form noch nirgendwo sonst gebautes Werk sein soll. Die Ausbauphasen der letzten Jahre und Projekte haben deutlich gezeigt, dass die Belastung des Warndts trotz Stilllegung des Steamcrackers nicht gesunken sind, ebenso wenig wissen wir bis heute, welche Schadstoffe wir überhaupt einatmen.

Insbesondere 3 kritische Punkte beim geplanten Buttersäurewerk, die das Umweltministerium als verbesserungswürdig hält, sind unbedingt klärungsbedürftig und veranlassen uns zur Frage, warum nur Verbesserungsvorschläge, und nicht vielmehr eine ablehnende Stellungnahme erfolgte.

So ist die vollständige geruchsaktive Reinigung der Klärschlämme nicht geklärt, bei der laut der Betreiberfirma Metex jährlich 1548 Tonnen hoch geruchsaktiver Klärschlämme anfallen sollen. Zur Geruchsstoffentfernung sollen diese Gerüche über einen s.g. Aktivkohlefilter geleitet, über dessen Wirkungsgrad jedoch keine Angaben in den Antragsunterlagen ersichtlich sind. Insbesondere entsteht das Gas Schwefelwasserstoff, welches bereits in geringsten Mengen übelriechend nach faulen Eiern wahrnehmbar ist. Laut Stellungnahme des MUV sollen 375 g / Stunde dieses Gases anfallen, dies ist 25 Mal so viel wie die TA Luft (15 g/ Stunde) als Emissionsbegrenzung erlaubt.
Außerdem ist unserem Umweltministerium nicht aufgefallen, dass ein weiterer geruchsaktiver Schadstoff (MIBK), der seit 2013 als möglicherweise krebserzeugend eingestuft ist, nur zum Teil gereinigt werden soll. Gemäß den Angaben fallen 617 mg/m³ an, dies ist mehr als 12 x so viel wie die TA Luft zulässt (nämlich 50 mg/m³).
Besonders große Bedenken hat der Verein Saubere Luft jedoch auch bezüglich der erstmals in der Stellungnahme des MUV aufgetauchten „gentechnisch veränderten Bakterien“, die in der Buttersäurefabrik eingesetzt werden sollen. Warum wurden diese nicht in den ausgelegten Unterlagen angesprochen? Und welche Auswirkungen hätten diese Bakterien bei Freisetzung auf die Umwelt, auf Mensch und Tier? Warum wurde bei einem solchen biologischen Risiko nicht noch zusätzlich das Gesundheitsministerium zur Stellungnahme und Risikobewertung hin zu gezogen?

Hier bekommt die hoch gelobte sogenannte „grüne Chemie“ der Firma Metex deutliche Risse, wenn an diesem Punkt das alles andere als überkritische saarländische MUV zur Sicherung der biologischen Sicherheit nun sogar mikrobiologische Umweltuntersuchungen durch den Betreiber anregt. Diese Kontrollen sollen dazu dienen, einen möglichen Übertritt dieser genveränderten Bakterien in die Umwelt zu überprüfen.

Zusammenfassend sehen wir unsere bisherigen Bedenken mehr als übertroffen und befürchten, dass sich die Gesamtsituation für uns alle nicht nur chemisch und geruchlich, sondern jetzt auch noch mit einem biologischen Sicherheitsrisiko verschärft. Was muss auf der Chemieplattform Carling eigentlich noch gebaut werden, bis das saarländische MUV eine ablehnende Haltung einnehmen kann?“

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